DS|DM installation 07/06/2010Text for ISEA 2010 conference, Essen/Germany http://www.isea-web.org http://www.isea2010ruhr.org |
(Capturing Intention) 05/10/2007editorial support: Scott deLahunta A brief history of designing interfaces for choreographic and dance information: "Improvisation Technologies" (CD-ROM 1999), "That's Kyogen!" (DVD-ROM 2000), "Nagarika" (DVD-ROM 2006) and "Double Skin/ Double Mind [DS/DM]" (Installation and DVD-ROM 2007). |
The Dance Eye / Das Tanzaugepublished on netzspannung.org: http://netzspannung.org/positions/digital-transformations [in german] |
Tanzdrama : 01/02/2001Pixel f?r Pixel Ein Gespr?ch mit Christian Ziegler Von Klaus Kieser Seit er an William Forsythes CD-ROM Improvisation Technologies mitgewirkt hat, ist Christian Ziegler ein gefragter Medienk?nstler. Seit 1993 arbeitet er am dortigen Zentrum f?r Kunst und Medientechnologie, an dem interaktive Projekte mit K?nstlern wie Bill Seaman entstanden. Zu seinen eigenen Werken geh?rt scanned (in Zusammenarbeit mit der T?nzerin Monica Gomis), das im September 2000 in M?nchen herausgekommen ist.KK: Wie kam es zu Ihrer Produktion scanned? CZ: Ich ging von zwei Ans?tzen aus: zun?chst von einem inhaltlichen, der sich aus der Arbeit an der CD-ROM Improvisation Technologies entwickelt hat; speziell das Kapitel ?Reorganizing Space & Time? hat mich am meisten ?ber Performanceraum und -zeit nachdenken lassen. T?nzer haben eine hochentwickelte K?rperintelligenz, durch die sie immer wissen, was sie wo auf der B?hne tanzten. Mit diesem "Repertoire" k?nnen sie mit sich selbst in einen Dialog treten, der beim Tanzen Raum und Zeit auf der B?hne dekonstruiert. Ich will diesen Prozess mit "scanned" als einen technischen Spiegel begleiten, der Tanz visuell zerlegt. Mein anderer Ansatz ist der Versuch, das Medium Video so einzusetzen, dass es Teil der B?hnengestaltung wird. Tanz und Video konkurrieren meist um die Aufmerksamkeit des Publikums. Also musste ich zuerst versuchen, eine Einheit herzustellen von B?hne, Aktion und den Medien. Das System sollte von der Aktion auf der B?hne gespeist werden. Video wird hier nicht dazu benutzt, etwas einfach abzufilmen. Das System verarbeitet, scannt eine Information auf der B?hne, projiziert sie wieder auf die B?hne; das Ganze funktioniert wie ein Kreislauf. Was abgebildet werden soll, ist der Tanz selbst; es ist eine Art Protokoll der choreografischen Passagen, und dieses Protokoll kann wieder als Quelle der Improvisation dienen, indem es wieder auf die B?hnen projiziert wird. Das ist die Idee eines medialen Reorganisationsprinzips. KK: Wie gingen Sie technisch vor? CZ: Wir haben am Vortag, zur Generalprobe, kurze einfache Bewegungssequenzen aufgenommen. Wichtig war mir, da? Bewegungen einerseits statisch, andererseits dynamisch abliefen. Denn das Videobild macht einen Unterschied zwischen statischen und bewegten Teilen. Das System stellt auch den K?rper unterschiedlich dar, je nachdem, ob es sich um eine statische oder eine dynamische Sequenz handelt. In scanned wurde der stehende K?rper Teil des Hintergrunds, tauchte quasi in den Performanceraum ein. Bewegung wird verst?rkt. Diese mit Video aufgenommenen Sequenzen hatte ich auf der Festplatte gespeichert; meine Software hat die Videos wieder ablaufen lassen und zeilenweise die Bewegungen dargestellt, technisch heisst dieser Vorgang "rendern". Das System arbeitet eigentlich wie ein normaler Scanner, und der hat eine bestimmte Betriebsgeschwindigkeit, wobei das Objekt gew?hlich statisch ist. In diesem Fall, wenn man Bewegungssequenzen digitalisiert und einen Videoscan abtasten l??t, von links nach rechts beispielsweise, wird durch die Zeit, die der Scanner braucht, die Bewegung relativ zur Bewegung des Scanners verzerrt. Das hei?t, wenn sich ein K?rper gegen die Scanrichtung von rechts nach links bewegt, wird er zu einer schmalen Figur, bewegt er sich mit der Scanrichtung, wird die Figur breiter, sieht wie ein Pfannkuchen aus. Mit dieser technischen Information kann man Bewegung neu sehen und abbilden. W?hrend ein Mensch ein Ereignis in seiner Ganzheit sieht, erfa?t das System die Dinge sukzessive, pixelweise. Es sammelt Bewegung sozusagen auf. Somit stelle ich ein technisches System einerseits in den Dienst der Bewegungserinnerung, andererseits erfa?t man dadurch die Dinge anders. KK: Inwieweit hat diese Anordnung den Tanz beeinflu?t? CZ: Wir haben im ersten Schritt einem Ereignis ein anderes entgegengesetzt. Die T?nzerin hat ihr eigenes Bewegungsmaterial vom Vortag zitiert, hat im Projektionsstrahl ihre Silhouette dem gezeigten Bild entgegengesetzt. Gleichzeitig gab es auch einen Echtzeit-Event, indem die T?nzerin mit dem Ph?nomen Projektion gearbeitet hat. Als dritte Ebene kommt das »video sampling« hinzu. Denn ich habe eine halbautomatische Steuerungsm?glichkeit, das Videomaterial zu samplen, in der Art und Weise, wie ein DJ oder eher ein VJ arbeitet. Ich nehme Videosamples aus diesem Scanvorgang und kann diese in Echtzeit verarbeiten. Ich kann die Scangeschwindigkeit bestimmen, die Abspielgeschwindigkeit der Videos, die Scanrichtung. Das erzeugt f?r jede Vorstellung ein neues Bildergebnis. KK: Gab es Vorbehalte der T?nzerin, sich auf dieses Experiment einzulassen? CZ: Ja. Es gab Unsicherheiten in bezug auf die Bewegungsqualit?t und das technische System. Sie mu?te unter Bedingungen vor Publikum tanzen, die neu waren; sie mu?te f?r ein technisches System tanzen, das die Bewegung anders verarbeitet als ein Zuschauer. Unsicherheiten gab es auf beiden Seiten. KK: Wie reagierte das Publikum? CZ: Es war so, da? der Live-Event fast weniger wichtig war als das Sampeln der Videos. Die Zuschauer hatten die M?glichkeit, nur die Projektion anzuschauen und den Tanz zu ignorieren. Das Ergebnis war ein so ?sthetisches, da? ich mir vorstellen kann, das Ganze auch ohne Live-Tanz aufzuf?hren. Eine Installationsversion von "scanned" habe ich dann auch im Herbst letzten Jahres f?r eine Ausstellung in Kiew produziert. KK: Braucht man dann noch den T?nzer? CZ: Vielleicht braucht man ihn nicht, wenn man, so wie wir im ersten Experiment, schon etwas vorproduziert hat. Was ich im zweiten Schritt erreichen will, ist, das Ergebnis vor den Augen der Zuschauer ins System zu speisen und gleichzeitig zu verarbeiten. Als zweiten Schritt wollen wir mit scanned traced compressed? a picture ein wirkliches Live-System erreichen. scanned kann man als Installation, besser aber als Live-Medienperformance, bezeichnen, und nun m?chte ich den Schwerpunkt in Richtung Tanz verschieben. Wir wollen die Produktion der Samples live vorf?hren, wie im Studio. Das Ganze wird l?nger dauern, wir brauchen Pausen, wir m?ssen versuchen, mit dem k?nstlichen Rhythmus der Maschine umzugehen. KK: Was bedeutet das? CZ: T?nzer und Zuschauer m?ssen auf die Bedingungen der Technologie eingehen. KK: Welche konkreten Bedingungen stellt das System? CZ: Praktisch hei?t das, da? es kein Echtzeitsystem ist, sondern ein sukzessives Verarbeitungssystem. Die Videos m?ssen digitalisiert sein, bevor die Maschine loslegen kann. Es gibt Live-Video-Verarbeitungssysteme wie Imagine, das von Tom Demeyer vom STEIM-Institut in Amsterdam programmiert wurde, mit dem Reyna Perdomo, die T?nzerin, mit der ich zur Zeit zusammenarbeite, schon Erfahrungen gesammelt hat. Mein System arbeitet sukzessive, und darauf lege ich gro?en Wert. Mit dieser Nachbearbeitung kann ich gestalterisch arbeiten, ich kann ein gezieltes ?sthetisches Ergebnis kreieren – das ist mir ganz wichtig. KK: Welche Rolle spielen die T?nzer in diesem Schaffenproze?? CZ: T?nzer m?ssen sich schon mal darauf einlassen, was die technischen Systeme bieten. Meine Erahrung ist die, dass nur wenige sich mit den M?glichkeiten der Medien auf der B?hne wirklich besch?ftigen. Wenn, dann werden meist Medien eher zitierend eingesetzt wie z.B. Fernsehen oder Kino auf der Tanzb?hne. Entscheidend ist aber eine Auseinandersetzung. Sp?testens seit Laban kann man Tanz auch mit technischen Mitteln inhaltlich beschreiben und erweitern. Was ich mache, ist nat?rlich keine Notation, eher eine Art Beschreibung von Bewegug mit Mitteln der Videoverarbeitung. Was ich nicht mache, ist ein Video-Hintergrund. Da gibt es keinen Dialog mit den T?nzern; es ist lediglich ein erweiterter B?hnenprospekt mit bewegten Bildern, der dem Tanz die erforderliche Aufmerksamkeit entzieht und kontraproduktiv wirkt. Ich habe auch selten "video backdrops" gesehen, die den Tanz wirklich unterst?tzt h?tten. Das sind f?r mich in der Regel Verlegenheitsl?sungen. Ein Gegenbeispiel lieferte vielleicht Pina Bausch in einem Solo: Sie hat eine extrem vergr??erte Projektion von Fischen im Aquarium benutzt und davor getanzt. Vor diesen riesigen Fischen wirkte sie extrem klein. Die Einheit von Gr??enverh?ltnissen war somit komplett aufgehoben. Paradoxerweise vermied sie gerade dadurch, vom Bild vereinnahmt zu werden. Medien auf der B?hne sind eben nie nur einfacher Hintergrund. Nur durch den bewu?ten Einsatz von Medien auf der B?hne kann ein k?nstlerisch interessantes Ergebnis zustande kommen. |
ballettanz : 01/08/1994Die CD-ROM Von Christian Ziegler "N?tzt es einem Choreographen, in den Probne digitale Medien einzusetzen? William Forsythe, auf dessen Initiative die CD-ROM "Improvisation Technologies" zur?ckgeht, sprach zu Anfang des Gemeinschaftsprojektes von Ballett Frankfurt und dem ZKM Karlsruhe (Zentrum f?r Kunst und Medientechnologie) lakonisch von einem "Timesaver", einem "Zeitsparer". F?r uns Designer und Programmierer klang das zuerst recht abwertend. Erst nach und nach stellten wir fest, wie wichtig es William Forsythe wirklich ist, Zeit zu sparen, um sich auf die eigentliche Aufgabe des Choreographieres konzentrieren zu k?nnen. Jeder neue T?nzer des Ballett Frankfurt braucht viel Zeit, die spezifischen Techniken zu erlernen. Wenn bei Proben neue St?cke erarbeitet werden, kann sich dem neue T?nzer der Kosmos der gruppenspezifischen Begriffe und Techniken zun?chste nur fragmentarisch erschliessen. Eine systematische Referenz der Codes und Verabredungen der Kompagnie gab es bisher nicht. Ein "Timesaver" in Form eines digitalen Lexikons lag also nahe. Zun?chst diskutierten wir das Projekt einer CD-ROM f?r das Ballett Frankfurt nur auf der Ebene eines digitalen Archivs, als eine Datenbank. Unser Ehrgeiz bestand schnell darin, einem solchen Lexikon der Tanztechniken Forsythes auch im optischen Design ein eigenes Gesicht zu geben. Unser Ziel war es, die Produktion einer Frankfurter Ballettschule als digitales Instrument ganz den Bed?rfnissen der T?nzer anzupassen. Wir wollten den Ballett?nzern mit Hilfe von Nik Haffner, der als T?nzer des Balletts die digitale Tanzschule redaktionell betreute, eine einfache und ?bersichtliche Bildschirmoberfl?che bieten. Wir begannen mit dem St?ck "Self Meant To Govern". Auf dem Bildschirm sieht man zuerst die sechs T?nzerinnen (in der Mitte der Musiker) wie Planeten um eine zentrale Uhr schweben. Die Uhr zeigt Buchstaben statt Zahlen. Jeder K?rper steht stellvertretend f?r ein bestimmtest Thema der Tanzschule. Das Layout des Bildschirms folgt dem Bed?rfnis von T?nzern, eine Bewegung im Kons Raumes und nicht nur flach auf dem Bildschirm zu erleben. An den Ecken des Bildschirms sind stets die Buchstaben "t" (f?r Theory), "e" (f?r Example), "r" (f?r Rehearsal) und "p" (f?r Performance) zu sehen, um die Orientierung jederzeit so einfach wie m?glich zu halten. Von der "Theory", in der in der Regel William Forsythe selbst eine Einf?hrung in die Bewegung per Video zeigt, gelangt man ?ber die Felder "Example" zu vergleichenden Studien aus der Performance ("p") und den Proben ("r"). Ein Beispiel, wie der Anwender sich durch die CD-ROM bewegt, ist die "Point-to-Point-Linie" als Teil von Forsythe Bewegungsgrammatik aus Punkt, Linie und Fl?che. W?hrend er eine Bewegungsgrammatik demonstriert, von Punkt zu Punkt, legten wir ?ber diese Bewegung eine weisse Linie ("Layer"), um die Pr?zisieon dieser Bewegung zu verdeutlichen, die in den Ausschnitten aus den Proben- und B?hnenaufnahmen nicht so direkt ins Auge springen kann. Veranschaulicht werden Begriffe, die im t?gliche Probenprozess zum Vokabular der Kompagnie geh?ren. Wenn forsythe von "Dropping Curves" spricht, erf?hrt der T?nzer sp?testens auf der im Ballettsaal stehenden CD-ROM, wie hierbei die Schwerkraft den K?rper in einer exakten "Punkt-Linienf?hrung" zu Boden zwingt. Der Handballen liegt auf einer von uns animierten weissen Linien, die in einer Schwerkraftkurve zu Boden f?hrt. Die Anschauung einer Ballettbewegung dabei nicht nur auf der B?hne zu zeigen, war Absicht, als wir die Videodokumente von Probenprozessen in die Kapitel "Rehearsal" mit aufnahmen: Bewegung ist keine finale Form, sondern entwickelt sich aus dem T?nzer selbst heraus. So konnten wir zeigen, dass sie sich in der Zeit bis zur Auff?hrung auch ?ndern kann und wird. Im Abschnitt "Performance" ist die geamte Premiere von "Self Meant To Govern" vom 2. Juli 1994 aus vier verschiedenen Kamerperspektiven aufgezeichnet worden und nun interaktive zug?nglich, das heisst, der Blickwinkel auf die Performance ist frei w?hlbar, die Anwender k?nnen sich jederzeit ihre Perspektive auf die B?hne frei w?hlen. Gleichzeitig ist dieser Ballettabend direkt mit dem Lexikon verkn?pft: Also kann auch umgekehrt von der Premierenaufnahme aus in die "Expamples" gesprungen werden. Solche M?glichkeiten sind auch ein Ausgangpunkt daf?r, die digitale Tanzschule weiterzuentwickeln: Wenn wir es schaffen k?nnten, ein st?ndiges Protokollinstrument im Probensaal des Balletts zu installieren, w?re die Tanzschule nicht nur "Timesaver" oder digitales Lexikon. Bewegungssequenzen k?nnten aufgezeichnet und, einmal in die Datenbank eingetragen, immer wieder zur?ckverfolgt werden, um sie weiterzuentwickeln: Dann w?re "Improvisation Technologies" nicht nur ein Schulungsinstrument, sondern zugleich auch so etwas wie das elektronische Ged?chtnis des Ballett Frankfurt." |